Co-WOERK Werkstatt-Tag – Bildung gemeinsam gestalten mit OER

Zum Abschluss des Wintersemesters hatte das Co-WOERK Team am 29. Januar 2026 zum 2. Werkstatt-Tag eingeladen. Unter dem Motto „Bildung gemeinsam gestalten mit OER“ wurde an den verschiedenen Projektstandorten in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit Lehrenden, Lehrkräften und Studierenden diskutiert, ausprobiert und gemeinsam an offener Lehre gearbeitet.

Den gemeinsamen Auftakt für alle Standorte bildete die Online-Keynote von Nadine Linschinger zum Thema „Let’s level up together: Impulse für eine offene Bildungspraxis.“ Nadine Linschinger ist Open-Education-Managerin am Zentrum für digitales Lehren und Lernen der Universität Graz (Österreich) und beschäftigt sich mit Strategien und Projekten im Bereich Open Educational Resources (OER). Zuvor hat sie als Mediendidaktikerin in der Europäischen Hochschulallianz „Arqus“ Massive Open Online Courses (MOOCs) entwickelt und technologiegestützte Lehre in interdisziplinären, interuniversitären Lehrveranstaltungen supportet.

Zunächst waren die knapp 60 Teilnehmenden aufgefordert, die Community daran teilhaben zu lassen, was Offenheit für jeden Einzelnen bedeutet: Einblicke in meine Lehre gewähren, freier Zugang zu Materialien und freier Austausch, transparentes Arbeiten, barrierefreier Zugang zu Bildungsressourcen sowie Kooperationsmöglichkeiten und Wertschätzung waren nur einige Punkte, die genannt wurden.

Nadine Linschinger sieht Open Education in ihrem Impulsvortrag als Motor für Chancengleichheit und Partizipation, als Möglichkeit für Barrierefreiheit und Inklusion, als Plattform für Kollegialität und Flexibilität und als Weg zu Nachhaltigkeit und Transparenz. Am Beispiel der Universität Graz zeigte sie auf, wie OER strategisch an der zweitgrößten Universität Österreichs eingebunden sind. Bereits 2011 fand dort ein erstes OER-Symposium statt, 2020 beschloss das Rektorat eine OER-Policy, 2022 wurde das Weiterbildungsangebot „OER nutzen und erstellen“ akkreditiert und 2023 wurde die Universität Graz zur ersten „Certified OER Higher Education Institution“ benannt. Im Zentrum für digitales Lehren und Lernen gibt es seitdem den Fachbereich „Open Education“, in dem mittlerweile 55 Mitarbeiter:innen das Zertifikat „OER nutzen und erstellen“ erworben und 1292 OER im Portal der Universität veröffentlicht haben (Stand: Januar 2026).

Trotz scheinbar idealer Voraussetzungen stellt Linschinger selbstkritisch fest, dass die motivierte Zielgruppe im Verhältnis zu den an den Uni Lehrenden klein ist, und Strategiedokumente und eine OER Policy zwar wichtig sind, aber keinen grundsätzlichen Kulturwandel schaffen. Weitere Erfahrungen und Learnings, Motivationsfaktoren für Lehrende und Erfolgsrezepte zum Umgang mit OER sind in der Präsentation zu finden, die hier zum Download bereitsteht.

Gemeinsame Lernmomente beim Erstellen digitaler Lehrmittel

Im Anschluss an die Keynote wurde an den fünf Co-WOERK Standorten in Cottbus, Frankfurt (Oder), Neubrandenburg, Potsdam und Rostock ein vielseitiges Programm geboten. In Workshops, Open Studios und kurzen ergebnisorientierten Arbeitsphasen nutzten Teilnehmende vor Ort die Möglichkeit, in die Praxis der digitalen Lehrmittelerstellung einzutauchen. So gab es an der Europa-Universität Viadrina einen „OER Sprint“ für Mitarbeitende des Zentrums für Lehre und Lernen (ZLL), in dem vorhandenes Material in offene Ressourcen umgewandelt und ins Portal twillo geladen wurde.

„Mir hat die Begleitung durch das Co-WOERK-Team richtig gut gefallen. Sie haben uns Schritt für Schritt durch den Prozess der OER-Erstellung geführt – erst ein Mini-Qualitätscheck, dann Rechte-Check und Lizenzentscheidung, und schließlich der Upload auf twillo“, erklärt Klaudia Kazana, akademische Mitarbeiterin des ZLL. „Meine Präsentation war schon fertig, ich musste sie nur noch OER-gerecht prüfen. Ich hatte in meiner PowerPoint Icons bzw. Piktogramme benutzt, die nicht OER-konform, also urheberrechtlich geschützt sind, was mir vorher nicht bewusst war. In meinem OER-Material habe ich diese Icons daher weggelassen. Es ist toll, dass ich in kurzer Zeit ein Lehrmaterial veröffentlicht habe, von dem ich hoffe, dass andere Lehrende darauf zugreifen, sich inspirieren lassen und meine Inhalte nutzen, anpassen oder erweitern, um sie für ihre eigene Lehre einzusetzen.“ Klaudia Kazanas OER-Präsentation zum Thema „Let‘s collaborate! Collaborative Learning Tools & Fostering Student Collaboration“ steht hier zum Download bereit.

An der Universität Potsdam kamen unsere Co-WOERK Mitarbeitenden in dezentralen Workshops und individuellen Beratungsangeboten mit Lehrenden in den Austausch, u.a. im Mathetreff am Campus Golm. Dort wurde in kleiner Runde mit Lehrenden aus der Mathematikdidaktik darüber gesprochen, wie Materialien als OER veröffentlicht werden können – von rechtlichen Grundlagen bei Creative-Commons-Lizenzen bis hin zu Publikationswegen und Nachnutzung – und wie generative KI bei einer barrierefreien Bereitstellung unterstützen kann. Am Campus Neues Palais ließ sich ein Student konkret zur Einbindung von Videos und didaktischen Gestaltung seiner offenen Unterlagen beraten.

„Der Werkstatt-Tag hat gezeigt, dass sich offene Bildungspraxis am besten im praktischen Tun, im gemeinsamen Klären von rechtlichen Fragen und in der Weiterentwicklung bestehender Materialien zeigt. Wir haben bewusst auf ein mobiles Beratungsangebot gesetzt, das zu den Lehrenden kommt und sich in der Beratung konsequent an deren konkreten Fragen ausrichtet“, erklärt Nancy Walter, Community Managerin der Universität Potsdam.

Auch in Neubrandenburg und Rostock ließen sich Lehrkräfte individuell beraten. In Cottbus fand unter der Leitung von Andreas Brandt ein Workshop „Interaktive Lernwelten mit H5P selbst gestalten“ statt. Anschließend wurde in größerer Runde zum Thema „Wege zu mehr Openness: Eine OER-Policy für die BTU?” diskutiert. Egal wo, es war ein Tag voller Austausch, neuer Perspektiven und gemeinsamer Lernmomente.

Die Keynote zum 2. Co-WOERK Werkstatt-Tag wurde zwar nicht aufgezeichnet, aber wir haben an dieser Stelle die wichtigsten Links zusammengestellt:
Zum OER-Zertifikat: https://www.oer-zertifikat.at/
Zur OER-Metasuchmaschine: https://oerhub.at/
Zum akkreditierten Weiterbildungskonzept
Zum downloadbaren Moodle-Kurs (Achtung, eine aktualisierte Version wird im Februar 2026 gelauncht)
Zu im OER-Sprint entstandenen Materialien:
Romeo Kolegbe: „KI und Schreibhabitus im transformativen Diskurs:Methodischer Ansatz zur Anpassung von Schreibstrategien bei der Konzeption wissenschaftlicher Texte“
Klaudia Kazana: „Let‘s collaborate! Collaborative Learning Tools & Fostering Student Collaboration“

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