
Vor einem Jahr erstmals bei einer OERcamp Werkstatt in Darmstadt dabei, sind sie Ende August im großen OERcamp 2026 in Berlin als Referent:innen mit einem eigenen Workshop für die OER Community vertreten. Klaudia Kazana, akademische Mitarbeiterin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), und Roksana Inga Rybicka, Studentin der Rechtswissenschaften sowie des ENS-Studiengangs Master of Digital Entrepreneurship und Tutorin für wissenschaftliches Schreiben an der Viadrina, haben über Co-WOERK und die Community of Practice den Einstieg in offene Bildungsmaterialien und -praktiken gefunden und bieten im Rahmen des diesjährigen OERcamps den Workshop „From OER to WOW: Webseiten, E-Portfolios & digitale Sichtbarkeit“ an. Wir haben uns mit Klaudia Kazana dazu unterhalten.
Klaudia, vor gut einem Jahr habt ihr erstmals an der OERcamp Werkstatt in Darmstadt teilgenommen und habt dort eure erste OER erstellt. Wie seid ihr auf die Idee gekommen und worum geht es in eurer OER?
Von der OERcamp Werkstatt haben wir über unsere Community an der Viadrina erfahren, von den Kolleg:innen des Co-WOERK-Projektes. Ich dachte für mich, es wäre eine gute Gelegenheit, dorthin zu fahren, um neue Impulse für meine eigene Lehre zu bekommen, mich mit der Community auszutauschen, aber auch um zu verstehen, was es eigentlich bedeutet, OER-Material zu erstellen. Es war von Beginn an klar, dass es nicht nur bei Workshops und Beratungen bleibt, sondern wir am Ende etwas veröffentlichen.
Entstanden ist unser OER Material „Ready.Set.Team – Struktur für produktive Zusammenarbeit“ zur Organisation von Teammeetings und Gruppenarbeit. Da ich über die Jahre in diversen Seminaren bereits viele Vorlagen und Materialien zur Organisation von Teammeetings entwickelt hatte, war es ein schöner Gedanke, dieses Wissen nun strukturiert mit anderen zu teilen. Gemeinsam erstellten wir innerhalb von zwei Tagen ein Handbuch, in das wir unsere unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen einbrachten. Roksana bereicherte das Projekt insbesondere durch ihre studentische Perspektive und ihre Erfahrungen als Tutorin für wissenschaftliches Schreiben. Dadurch entstand eine praxisorientierte Struktur für die Organisation von Teammeetings und Gruppenarbeit, mit erprobten Vorlagen, Methoden und Tipps, die Teams dabei unterstützen, klare Ziele zu definieren, Aufgaben effizient zu verteilen und produktiv zusammenzuarbeiten.
Wie hat euch die OERcamp Werkstatt gefallen, und was ist das Besondere daran?
Es waren wirklich intensive Tage! Besonders gefallen hat mir die individuelle Begleitung und Betreuung: Die Coaches und Expert:innen waren wirklich freundlich, sehr praxisnah und haben uns hilfreiche Tipps gegeben und uns extrem motivierend auf dem Weg bis zur Veröffentlichung begleitet. Als wir das Material am letzten Tag tatsächlich abgeschickt haben, war das ein echter Erfolg für uns. Für uns beide war es das erste Mal, und wir waren auch stolz auf uns.
Seitdem hast Du das Thema OER auch in deine Lehrveranstaltungen, z. B. mit internationalen Lehrkräften, eingebunden. Auf welche Resonanz bist du da gestoßen?
Im DAAD-ERUA-Projekt biete ich Weiterbildungen für Lehrende an. Einer der Kurse „Digital Teaching Essentials for Engaging Learning Online or Beyond“, den ich im Wintersemester 2026 geleitet habe, widmete sich den Themen Online-Didaktik, Digitalisierung der Lehre sowie dem Einsatz digitaler Tools. Und eine der Sitzungen beschäftigte sich mit dem Thema OER-Materialien nutzen und veröffentlichen, und das war für die Teilnehmenden wirklich spannend. Viele hatten schon von OER gehört, konnten sich darunter aber nichts Konkretes vorstellen. Ich habe Beispiele gezeigt, eigene und aus der Community, und das hat bei vielen einen echten Aha-Moment ausgelöst. Im Rahmen der Online-Sitzung erhielten die Teilnehmenden die Aufgabe, Materialien zu recherchieren, die sie direkt („ready to go“) in ihrer Lehre einsetzen könnten, sowie solche, die sie bearbeiten und an ihre eigenen Lehrkontexte anpassen könnten. Besonders hilfreich war für mich, dass ich vom Co-WOERK-Team zahlreiche Ressourcen und Plattformen erhalten habe, die ich an die Teilnehmenden weitergeben konnte. Aus dem Feedback der Lehrenden habe ich erfahren, dass einige von ihnen danach selbstständig weiter recherchiert und sich intensiver mit dem Thema OER auseinandergesetzt haben.
Der Aha-Moment war: Man muss nicht jede Unterrichtseinheit von Grund auf neu planen, sondern kann bestehende Materialien nutzen und je nach Lizenz auch bearbeiten und weiterverwenden. Bei einigen entstand sogar die Idee, gemeinsam mit Studierenden eigene OER als alternatives Prüfungsformat zu gestalten. Besonders freut mich, dass einige jetzt auch an den Online-Treffen der Community of Practice teilnehmen. Ich versuche in meinen Lehrveranstaltungen für Lehrende solche Impulse weiterzugeben, und es ist schön zu sehen, dass Lehrende diese Ressourcen wirklich nutzen. Material zu produzieren ist toll, aber wenn es lebendig wird und die Lehre anderer bereichert, spürt man die Kraft der offenen Bildung.
Beim OERcamp in Berlin bietet ihr beide jetzt einen eigenen Workshop zum Thema „From OER to WOW: Webseiten, E-Portfolios & digitale Sichtbarkeit“ an. An wen richtet sich euer Workshop und worum geht es?
Der Workshop richtet sich an Anfänger:innen, aber auch erfahrene Teilnehmende sind willkommen. Wir möchten uns interaktiv darüber austauschen, wie Webseiten und E-Portfolios genutzt werden können, um Projekte, Materialien und Kompetenzen wirkungsvoll zu präsentieren. Unsere Idee ist, Webseiten oder E-Portfolios so zu gestalten, dass man sie selbst als OER-Material betrachten kann. Ein gutes Beispiel dafür ist Nele Hirsch aus der OER-Community: Sie führt regelmäßig den Blog „eBildungslabor“, der selbst wie eine OER-Datenbank funktioniert. Sie empfiehlt nicht nur, sondern schreibt und veröffentlicht dort auch eigene Materialien. Da ich mich in meiner Arbeit viel mit E-Portfolios beschäftige, fanden Roksana und ich es naheliegend, das zu verbinden: ein E-Portfolio oder eine Webseite mit OER-Komponenten zu erstellen.
Der Vorteil ist auch, dass man sich mehrfach mit der Community vernetzen kann. Wenn man z.B. in einem Repositorium OER-Material veröffentlicht, kann man auf weitere Materialien der eigenen Webseite verweisen oder bei LinkedIn darauf aufmerksam machen. Viele Repositorien sind leider eher geschlossen, Communities oder Universitäten erstellen zwar wertvolles Material, das dann aber häufig nicht frei zugänglich ist. Über eine eigene Webseite bzw. ein E-Portfolio kann man sich und seine Lehre wirklich öffnen.
Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg beim OERcamp in Berlin.
Ausführliche Informationen zum OERcamp in Berlin sind hier zu finden: https://go.oercamp.de/berlin-2026/