
„Zwischen Institution und Individuum: Die eigene Haltung zu Offenheit mit einem OER-Kodex kommunizieren“ lautete das Thema des Rundes Tisches, zu dem Co-WOERK gemeinsam mit dem Projekt Ombrella Anfang Oktober online eingeladen hatte. Während Leitlinien und Strategien einer Hochschule viel darüber sagen, was eine Institution unter Offenheit versteht, zeigen sie seltener, wie Einzelne, Teams und Projekte ihre eigene Haltung zum Teilen von Lehr- und Lernmaterialien formulieren und nach außen tragen. Wie lässt sich die eigene Haltung zum Teilen von Wissen in Worte fassen? Um diese zentrale Frage ging es mit Blick auf offene Bildung und Bildungspraktiken beim erstmals öffentlich vorgestellten OER-Kodex.
Seit dem ersten TriebfedOERn-Barcamp im Dezember 2024 haben Silvia Retzlaff, Nancy Walther und Matthias Söll vom Co-WOERK-Team gemeinsam mit Sonja Philipp, Saskia Buschler und Erika Günther-Deimling aus dem Projekt Ombrella an einem Kodex gearbeitet, der die persönliche Perspektive ins Zentrum rückt und auf bestehenden Strategien aufbaut.
Wie ist der Kodex aufgebaut?
Der vorliegende Entwurf formuliert elf Grundsätze zur Arbeit mit offenen Bildungsmaterialien, die jeweils aus drei Ebenen bestehen: Die Überschrift formuliert die Kernaussage in einer Ich- und einer Wir-Variante. Die Ich-Variante richtet sich an Einzelpersonen, die Wir-Variante an Arbeits- und Projektgruppen. Darauf folgt eine kurze Vertiefung, die die Selbstverpflichtung für die eigene oder gemeinsame OER-Praxis konkretisiert. Die Erläuterung bietet zusätzliche Hintergründe, Beispiele und Hinweise für die Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Grundsatz.
Beim Runden Tisch wurden diese elf Grundsätze den 22 Teilnehmenden vorgestellt und anschließend in Kleingruppen diskutiert. „Unser OER-Kodex hat Laufen gelernt und seine ersten Schritte gemacht!“, freut sich Silvia Retzlaff, Co-WOERK Community Managerin an der Universität Rostock. „Wir haben uns über die rege Beteiligung und den vielfältigen Austausch mit einer heterogenen Gruppe aus der OER-Community aus Deutschland und Österreich gefreut. In den Kleingruppen wurden zahlreiche Ideen und Anregungen zur inhaltlichen Weiterentwicklung des Kodex und zur Gestaltung des Erarbeitungsprozesses gesammelt.“
Saskia Buschler, Ombrella-Projektmanagerin an der Duale Hochschule Baden-Württemberg Mosbach, ergänzt: „In der Diskussion in der Gesamtgruppe entstanden zudem bereits erste Überlegungen, wo und wie der Kodex künftig aufgegriffen und eingesetzt werden könnte. Für uns hat der Austausch gezeigt: Der Kodex stößt auf Interesse und bietet Anknüpfungspunkte für die eigene Auseinandersetzung mit Offenheit in der Bildung. Seine Entwicklung ist damit keineswegs abgeschlossen und eine endgültige, unveränderliche Form soll er auch gar nicht haben.“
In den kommenden Wochen werden die diskutierten Anregungen und Änderungsvorschläge in den OER-Kodex eingearbeitet und der Community erneut präsentiert. Die Präsentation vom 8. Oktober, der Entwurf des OER-Kodex sowie die Dokumentation der Gruppenarbeiten sind hier abgelegt. Interessierte können sich per Email an oer@mosbach.dhbw.de wenden, um die finale Version des Kodex direkt zugeschickt zu bekommen. Sie können die Kolleg:innen bei kommenden OER-Veranstaltungen gern auch persönlich auf den Kodex ansprechen.
Neben dem Runden Tisch sind zum Jahresende bereits zwei Podcast-Folgen in Kooperation mit OERinfo geplant, in denen nicht nur der Inhalt des OER Kodex im Mittelpunkt stehen soll, sondern auch die Entstehungsgeschichte und kollaborative Zusammenarbeit zwischen den OE_COM Projekten.