
Jeder kennt sie, viele lieben sie: Wimmelbücher. Seit Ende der 1960er Jahre im Umlauf, sind sie bei Kindern und Eltern gleichermaßen beliebt, weil es immer wieder Neues zu entdecken gibt. Egal ob im Zoo, auf dem Bauernhof, auf der Baustelle oder in der Stadt – in den dargestellten Alltagszenen „wimmelt“ es von Details, und es macht Spaß, sich darüber auszutauschen. Die digitale Variante heißt Wimmelspiel. Spieler:innen klicken sich durch verschiedene Bildschirme einer Geschichte und versuchen dabei, möglichst viele vorgegebene Gegenstände mit der Maus anzuklicken oder auch zu kombinieren.* Mit „Tales of Openness: Pathways to OER“ ist jetzt ein Wimmelspiel zu offenen Bildungsmaterialien (OER) erschienen, an dessen Produktion Silvia Retzlaff und Prof. Dr. Matthias Söll von der Universität Rostock beteiligt waren. Wir haben uns mit Matthias unterhalten.
Matthias, ein Wimmelspiel zu OER? Das klingt fast nach einer Stammtischidee. Wie und mit wem gemeinsam ist das Projekt entstanden?
Die Ursprungsidee entstand bereits bei der Projektantragstellung für Co-WOERK. Im Verbund haben wir uns gefragt, wie wir einen innovativeren, vielleicht auch etwas gamifizierten, frischeren Einstieg in die OER-Thematik gestalten können. Selbstlernkurse und Erklärvideos gibt es bereits viele, deshalb suchten wir etwas, das sich gleichermaßen gut in der Lehre einsetzen und online veröffentlichen lässt. Das war die abstrakte Idee. Über eine Kollegin nahm ich dann Kontakt zu einem Spieldesign-Studio auf. Als die Finanzierung durch die Offene Universität Rostock geklärt war, brachte das Studio das Konzept des Wimmelbildspiels ins Gespräch, ein Format, das ich von meinen Kindern als Papierspiel kannte und mochte.
Es ist ein Gemeinschaftsprojekt, an dem zahlreiche Akteure mitwirken. Nele Hirsch, Noreen Krause, Jöran Muuß-Merholz und Jörg Lohrer gehören zu den bekanntesten OER-Vorreiter:innen. Zogen alle sofort mit, oder brauchte es Überzeugungsarbeit?
Bei den vier war keinerlei Überzeugungsarbeit nötig. Zunächst haben wir im kleinen Team in Rostock, das sich sowohl mit OER als auch mit Spieleentwicklung beschäftigt, gemeinsam mit dem Spieldesign-Studio ein Grundkonzept erarbeitet. Als dieses stand, haben wir Nele, Noreen, Jöran und Jörg angesprochen und gefragt, ob sie als Comicfiguren, als Erklärende und OER-Protagonist:innen auftreten möchten. Sie waren sofort Feuer und Flamme und fragten direkt: Was sollen wir bis wann liefern?
Haben die vier auch inhaltlich mitgearbeitet? Denn anders als beim klassischen Wimmelbuch, wo man Kuh und Traktor sucht, stecken hier sehr viele konkrete Informationen drin.
Die inhaltliche Grundstruktur haben mein Team und ich zunächst selbst entwickelt. Wir haben uns dabei an die Auftakttreffen der OE-COM-Förderinitiative 2024 erinnert, an die tollen Räumlichkeiten in Frankfurt/Main, damals eine Veranstaltungslocation unter den Bahnschienen und haben dieses Setting als Rahmen nachgebaut: ein Barcamp, wie es im OER-Bereich gängig ist. Anschließend haben wir Schritt für Schritt die zentralen Inhalte ausgearbeitet, die einen OER-Einstieg aus Community-Perspektive ermöglichen. Die vier Protagonist:innen waren in dieser Phase noch nicht eingebunden, sie haben später überarbeitet und inhaltlich nachgeschärft.
Im Spiel sind insgesamt 15 OER-Themen, Plattformen und Institutionen versteckt. Warum genau diese?
Wir haben zunächst ein größeres Brainstorming gemacht und mögliche Themen identifiziert. 15 Themen waren als kurzweiliger, fundierter Einstieg und vor dem Hintergrund der zur Verfügung stehenden Entwicklungsgelder realisierbar. Also haben wir gefragt: Welche 15 sind für Einsteiger:innen in offene Lehr- und Bildungsmaterialien wirklich grundlegend? Im Verlauf der Entwicklung hat sich auch gezeigt, dass das Spiel gut skaliert: Man findet einen ersten Punkt, freut sich, bekommt eine kurze Erklärung, und wer tiefer einsteigen möchte, findet im Tablet-Bereich weiterführende Quellen sowie direkte Links zu Blogs, OERinfo und weiteren Community-Angeboten.
Ab wann ist das Spiel verfügbar, und wie wollt ihr es bekannt machen?
Das Spiel ist fertig! Es wurde bereits fleißig vom Spieldesign Studio beworben. Zur Verbreitung setzen wir auf unsere eigenen Social-Media-Kanäle, aber auch auf die unserer Protagonist:innen, die alle sehr öffentlichkeitswirksam unterwegs und in der OER Community gut vernetzt sind. Darüber hinaus setzen wir das Spiel natürlich in der Lehre ein. Ich selbst arbeite bereits an einer didaktischen Rahmung: Ich möchte meinen Studierenden nicht nur das Spiel bereitstellen, sondern ergänzend eine Arbeitsaufgabe formulieren, zum Beispiel eine kleine Geschichte, in der alle 15 Themen eine Rolle spielen.
Vielen Dank für das Gespräch.
*Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Wimmelbilderbuch
Informationen zum OER Wimmelcamp:
Hier geht´s zum Spiel: https://www.uni-rostock.de/weiterbildung/offene-uni-rostock/onlinekurse/oer-wimmelcamp/
Auftraggeber: Team Open WiPäd Rostock, iWIP Institut für Wirtschaftspädagogik
Gefördert durch: Offene Universität Rostock
Entwicklung: QM Interactive GmbH
Kontakt: Wimmelcamp@uni-rostock.de






